22. November 2004

Schülerbeurteilung in der Grundschule / BLLV setzt sich durch

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

der BLLV hat gute Arbeit geleistet. Wir können einen großen Erfolg bei der Reform der Schülerbeobachtung und –bewertung in der Grundschule verbuchen! Nach Gesprächen mit Kultusministerin Monika Hohlmeier und Staatssekretär Karl Freller wird die Schülerbeobachtung stark vereinfacht.

Bekanntlich war der Modellversuch Notengebung in der Grundschule auf zwei Jahre angelegt, wurde dann jedoch auf Anweisung der Bayerischen Staatsregierung abgebrochen. Die Reform wurde zum laufenden Schuljahr für verbindlich erklärt und völlig überhastet an allen bayerischen Grundschulen eingeführt. Lehrerinnen und Lehrer bekamen eine dicke Handreichung ausgehändigt – die - und davor hatte der BLLV ja bereits im Vorfeld gewarnt – in der Praxis nicht umsetzbar ist. Der Ärger an den Grundschulen war und ist vermutlich sehr groß.

Doch der BLLV hat schnell und erfolgreich reagiert. Am 16. November kündigte ich zunächst eine Pressekonferenz für den 22. November 2004 an. Die Einladung, die an Journalisten und Pressestellen aller Parteien in München verschickt wurde, war mit dem Titel: "Ärger in der Grundschule: Schülerbeurteilungen ohne pädagogische Konsequenzen" überschrieben. Die Wirkung blieb nicht aus: Am Freitag, 19. November 2004, erhielt ich mehrere Telefongespräche aus dem Kultusministerium: Kultusministerin Monika Hohlmeier meldete sich, wenig später rief Staatssekretär Karl Freller an. Beide sicherten mir zu,

  1. die Handreichung zurückzuziehen. Die Ministerin sagte wörtlich zu mir, sie wolle "keine hybride-praxisferne Ausuferung" der Beurteilung. Beide sicherten zu, die Handreichung wird zurückgezogen;
  2. bis Mitte Dezember 2004 einen schlanken Leitfaden vorzulegen, der in der Schulpraxis umsetzbar ist;
  3. Am 7. Dezember im Kultusministerium eine Anhörung zu veranstalten, bei der Fachlehrkräfte einbezogen werden sollen.

Dieser Vorgang an sich ist mehr als ungewöhnlich und als großer Erfolg für den BLLV zu bewerten. In der Regel läuft es anders ab: Der BLLV schlägt Alarm, das Kultusministerium rückt mit der Feuerwehr aus, um uns eiskalt abzuduschen nach dem Motto: "War nur ein Fehlalarm!" Diesmal hat die bloße Ankündigung, Alarm zu schlagen, ausgereicht, um das Kultusministerium zum Handeln zu zwingen. Das Kultusministerium hat – um in der Bildsprache zu bleiben – den Brandherd gelöscht – es qualmt nur noch.

Die angekündigte Überarbeitung und Verschlankung der Handreichung wird – so hoffe ich – den Unmut an den Grundschulen beenden. Wir haben die Zusage, dass die Reform praktikabler werden wird. Letztlich bedeutet dies auch eine Verbesserung für die Situation der Schülerinnen und Schüler, denn ihre Lehrkräfte können sich nun wieder auf das Unterrichten konzentrieren und nicht auf das filigrane protokollieren von Verhaltensnuancen.

Nichtsdestoweniger ist damit der gesamte Problemkomplex pädagogisch noch nicht gelöst. Was fehlt, sind gezielte differenzierte Fördermöglichkeiten in möglichst kleinen Klassen – Obergrenze 25! Unsere Grundschule hat zu wenig Personal, um den neuen pädagogischen Anforderungen gerecht zu werden: Der flexiblen Eingangsphase und der Zusammenarbeit mit den Kindergärten. Auch habe ich heute bei der Pressekonferenz in München scharf kritisiert, dass im Haushalt 2006/07 Stellen gestrichen werden sollen. An der Pressekonferenz nahmen aus den Reihen des BLLV Simone Fleischmann von der ABW-Oberbayern und Klaus Wenzel, Leiter der Abteilung Schul- und Bildungspolitik, teil.

Ich werde am 25. 11. 2004 ein weiteres Gespräch mit der Ministerin führen und erneut auf diese Probleme hinweisen.

Am 2. 12. 2004 treffe ich Staatssekretär Freller. Über beide Gespräche werde ich Sie informieren.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr
Albin Dannhäuser
Präsident des BLLV


Suche

Im Blickpunkt

Reformkonzept

Kinderhaus Casadeni