8. Dezember 2006

Schließung von (Teil-)Hauptschulen

Schreiben an Landtagsabgeordnete

Nach Recherchen des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV) wurden seit dem Beginn der Einführung der sechsstufigen Realschule im Schuljahr 1991/92 in Bayern 486 Grund- und Hauptschulen geschlossen (Stand 15. November 2006). Die Mehrheit davon waren Teilhauptschulen. Allerdings wurden auch 41 voll ausgebaute Hauptschulen geschlossen, die zum Teil mit Grundschulen verbunden waren. Der BLLV hat eine Liste mit namentlicher Nennung jeder einzelnen dieser Schulen erstellt. Diese leite ich Ihnen anbei zur Kenntnis zu. Nach der vollständigen Umsetzung des Landtagsbeschlusses vom Juli 2004 werden an rund 700 Standorten Teilhauptschulen und Hauptschulen geschlossen sein. Das entspricht rund 40 % der ursprünglichen Hauptschulen – ein bildungspolitischer Erdrutsch!

Der BLLV thematisiert seit vielen Jahren die kritische Entwicklung der bayerischen Hauptschulen. Wir haben eindringlich vor den verheerenden Folgen einer flächendeckenden Einführung der R6 gewarnt. Seit zwei Jahren versuchen wir mit der Kampagne S.O.S. HAUPTSCHULE auf den dringenden Handlungsbedarf aufmerksam zu machen. Ich habe Sie persönlich in Ihrer Verantwortung als Landtagsabgeordnete(r) mehrfach zu dieser Frage angeschrieben. Lehrer und Schüler brauchen Ihre Unterstützung. Dazu gehört der Erhalt der Lehrerplanstellen an den Hauptschulen und nicht ihre Streichung. Vor allem gehört dazu auch die Rückführung der Sparmaßnahmen der letzten Jahre und nicht ihre Fortführung. Eine Aufstellung der Sparmaßnahmen füge ich ebenfalls bei.

Ich möchte Sie nachdrücklich darauf hinweisen, dass der BLLV einen Widerspruch sieht in dem öffentlichen Bekenntnis zur Hauptschule und der geplanten Streichung der Stellen an der Hauptschule. Ich appelliere deshalb an Sie, dieser Streichung nicht zuzustimmen.

Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband erwartet entschiedene Maßnahmen zur Lösung der uns allen bekannten Probleme – insbesondere da alle Verbesserungen erst in mindestens drei bis fünf Jahren greifen können. Es geht nicht darum, die Hauptschule schlecht zu reden. Es geht aber auch nicht darum, durch Schönreden die Krise der Hauptschule zu leugnen. Immer weniger Hauptschüler haben eine reelle Chance auf einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz. Das ist eine menschliche Tragödie für die Betroffenen, sozialpolitischer Sprengstoff für unsere Gesellschaft und eine Gefährdung für die Demokratie.

Der BLLV hofft sehr auf Ihre aktive Unterstützung und den weiteren Meinungsaustausch.

aus einem Schreiben des BLLV-Präsidenten, Dr. h.c. Albin Dannhäuser, an die Abgeordneten des Bayerischen Landtages vom 08.12.2006


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